19. März 2019

Muskuläre Dysbalancen korrigieren

by John Harris Fitness

Nackenschmerzen, Kreuzschmerzen oder Knieschmerzen – wer kennt diese Probleme nicht? Fast jeder hat früher oder später mit Verspannungen und Schmerzen in den Gelenken zu kämpfen. Insbesondere ein sitzender Lebensstil fördert diese.

Die meisten unserer Bewegungen, wenn nicht sogar alle, sind nach vorne. Wir sitzen täglich mehrere Stunden vor Computern oder in der Schule, in unseren Autos und wir bewegen uns nach vorne. Aber auch der Großteil aller Sportarten besteht aus Bewegungen nach vorne, sei es Fußball, Schwimmen oder Volleyball. Dadurch entsteht eine einseitige Belastung, es wird zum Beispiel verstärkt die Brustmuskulatur oder der Beinstrecker beansprucht. Diese Gruppe wird Tonische Muskulatur genannt. Die tonische Muskulatur ist ausdauernder und schwächt langsamer ab, neigt aber zur Verkürzung. Dazu gehören: Nackenmuskulatur, Brustmuskulatur, Rückenstrecker im Lendenwirbelsäulenbereich (LWS), vordere Beinmuskulatur und Waden.

Phasische Muskeln? – Was ist das?

Als Phasische Muskulatur werden jene Muskeln bezeichnet die zu Abschwächungen neigen, da sie im Alltag und bei den meisten Sportarten nicht verwendet werden und beim Ausgleichstraining wenig beansprucht werden. Also genau das Gegenteil der tonischen Muskulatur die dauernd beansprucht wird. Die phasische Muskulatur ermüdet schneller, neigt aber nicht zur Verkürzung. Wird sie nicht regelmäßig trainiert, reagieren die Muskeln mit Abschwächung. Zur phasischen Muskulatur gehören: Rückenstrecker im Brustwirbelsäulenbereich (BWS), Schultergürtel (Trapezmuskel unterer und mittlerer Anteil, Schulter-Auswärtsrotatoren), Sägemuskel, Bauchmuskulatur und Gesäßmuskulatur.

Muskuläre Dysbalancen

Durch mangelnde körperliche Beanspruchung, eine einseitige Belastung beim Sport oder im Alltag oder falsche Bewegungsausführungen kommt es zu Muskulären Dysbalancen, einem Ungleichgewicht zwischen der tonischen und phasischen Muskulatur. Wie erkennt man muskuläre Dysbalancen? An typischen Fehlhaltungen:

– Rundrücken, Kopf und Schultern werden nach vorne gezogen, durch eine Verkürzung der Brust- und Nackenmuskulatur, sowie einer Abschwächung der Brustwirbelsäulen aufrichtenden und er Schulterblatt zentrierenden Muskulatur.

– Beckenkippung nach vorne bzw. Hohlkreuz durch eine Verkürzung der Hüftbeugemuskulatur, sowie einer Abschwächung der Bauchmuskulatur und des Gluteus maximus.

– Beckenkippung zur Seite durch eine Abschwächung des Gluteus medius und minimus.

Die meisten Schmerzen in Gelenken entstehen durch muskuläre Dysbalancen. Durch regelmäßiges Training können diese Schmerzen beseitigt werden. Es gehören einerseits die globalen (äußeren) Muskeln gestärkt, andererseits auch die lokalen (innenliegenden) Muskeln. Zweiteres wird hauptsächlich durch Koordinationstraining gestärkt, das sind zum Beispiel Gleichgewichtsübungen – Übungen am Busoball, Wackelbrett und Co.

Ausgleichstraining

Eine muskuläre Dysbalance kannst du beheben, indem du die phasische Muskulatur kräftigst und die verspannte, tonische Muskulatur dehnst. Hier ein paar Übungen, um die abgeschwächten Muskelpartien zu stärken.

Brustwirbelsäule aufrichten & Schulterblatt Zentrierung

Rückenstrecker BWS – “Kraxn”
Setz dich auf die Kante von einem Stuhl oder Bank und beuge dich leicht nach vorne. Deine Hände gibst du auf die Schläfen. Nun rollst du dich im BWS-Bereich ein und langsam wieder auf. Wichtig dabei ist, dass der LWS-Bereich rund bleibt. Spanne deinen Bauch während der Übung an.

Trapezmuskel unterer und mittlerer Anteil – Ruderzug
Diese Übung kannst du sowohl am Gerät oder am Kabelzug machen. Wichtig ist dabei: deine Ellenbogen bleiben während der Übung auf selber Höhe wie deine Schultern und dein Bauch ist angespannt. Achte während der gesamten Übung darauf, dass du deine Schultern nach hinten und unten ziehst und deine Schulterblätter zusammenziehst.

Sägemuskel – Push-up+
Die Ausgangsposition ist die Liegestützposition. Nun drücke dich nochmal aktiv ein Stück nach oben. Deine Arme bleiben die ganze Zeit durchgestreckt. Um die Übung zu verstärken kannst du deine Hände nach außen rotieren, sodass deine Finger nicht mehr gerade ausgerichtet sind.

Beckenkippung nach vorne verhindern (Hohlkreuz)

Gluteus maximus – Beckenlift
Ausgangsposition: Rückenlage, angewinkelte Beine, Fersen drücken aktiv in den Boden.
Verschränke deine Arme vor der Brust und drücke dein Becken aktiv nach oben. Halte diese Position kurz am höchsten Punkt und senke das Becken wieder ab, aber nicht ganz ablegen.

Bauchmuskulatur – Crunch
Wichtig beim Crunch ist, dass du deine Fersen aktiv in den Boden drückst und dein Becken rund machst. Ein Crunch sollte in einer Einrollbewegung erfolgen und nicht mit geradem Rücken.

Beckenkippung seitwärts

Gluteus minimus & Medius – Abduktion
Diese Muskelpartie trainierst du mit allen Abduktionsbewegungen, sei es am Gerät, am Kabelzug oder ohne Gewicht. Wichtig ist, dass beim Abspreizen des Beines deine Hüfte nicht ausweicht und in einer neutralen Position bleibt.

Muskuläre Dysbalancen werden in unserer Gesellschaft immer häufiger. Insbesondere ein sitzender Lebensstil fördert sie. Jetzt weißt du, wie du diese ausgleichen kannst. Wir wünschen viel Erfolg beim Training!